Erbbegräbnis Rittergut und Schloss Löbichau

Der Hainfriedhof von Löbichau

www.erbbegraebnis.de
Im Jahre 1766 kaufte der Geheimrat von Kutschbach aus Gera das Rittergut Löbichau. Er gestaltete den schönen Wald südlich des Schlosses, der Hain genannt, durch Anlegen von Baumalleen.
1795 kaufte der Reichsgraf Christoph Johann Friedrich [Jeannot] von Medem [1763 - 1838] das Rittergut Löbichau mit Tannenfeld und trat es 1796 als freies Erblehen an seine Schwester Anna Dorothea von Kurland ab. Ihr Gatte Peter von Biron, Herzog von Kurland und Semgallen zog sich in sein Herzogtum Sagan zurück.
Dorothea von Kurland hatte 6 Kinder, von denen zwei im Kindesalter starben.
4 Töchter: Wilhelmine, Pauline, Johanna und Dorothea
Herzogin Dorothea von Kurland
geb. Gräfin von Medem [1761 - 1821]
* Mesothen [Lettland] 3.2.1761
To. des Reichsgrafen Friedrich von Medem und der Louise Charlotte von Manteuffel
+ Löbichau 20.8.1821
++ Löbichau 29.8.1821

"Ihre Begräbnisstelle in der Südwestecke am oberen Hain hatte sie zu Lebzeiten selbst bestimmt. Es ist die Anhöhe kurz vorm steilen Abhang am Grundstück von Siegfried Junghanns. Heute noch stehen dort uralte Rotbuchen."
Der Leichnam wurde am 12.3.1878 in die Familiengruft nach Sagan überführt, wo im Jahre 1800 auch Herzog Peter von Biron bestattet worden war."

oo Mitau 6.11.1779 Peter von Biron, Herzog von Kurland und Semgallen [1724 - 1800]
* Mitau 15.2.1724
+ Gellenau [Grafschaft Glatz] 13.1.1800
In Gellenau besuchte ihn die Herzogin Dorothea von Kurland mit den vier Töchtern [Wilhelmine, Pauline, Johanna und Dorothea]. Am 6. Januar 1800 verfasste Peter von Biron sein Testament und starb am 13.1.1800. Sein Leichnam wurde nach Sagan überführt.

Pauline von Sagan [1782 - 1845]
Fürstin von Hohenzollern

* Mitau 19.2.1782
+ Wien 8.1.1845
++ Löbichau 17.2.1845
Der Leichnam wurde am 12.3.1878 in die Familiengruft nach Sagan [Zagan] überführt.
oo Friedrich Hermann Otto von Hohenzollern-Hechingen [1776 - 1838]

Johanna von Acarenza
geb. von Sagan [1783 - 1876]
Erbt 1821 nach dem Tod ihrer Mutter Dorothea von Kurland die Herrschaft Löbichau

* Schloss Würzau 24.6.1783
+ Löbichau 11.4.1876

NB: bis dato ist nicht erwiesen, ob eine Beerdigung in Löbichau erfolgte.

oo Franz Pignatelli de Belmondi, Herzog von Acerenza

Baron Evert von Taube [1737 - 1799]Generalleutnant der Garde im schwedischen Heer unter Gustav III. und unter dessen Sohn Gustav Adolph IV.

"Das Schwedendenkmal ist ein zweites Grab, welches durch einen grauen Marmorobelisk geschmückt war und auf zwei Seiten in Grabantiquaschrift eine Würdigung des am 15.8.1799 in Karlsbad verstorbenen Königl. Schwedischen Generalleutnants Baron Evert von Taube [...]"
* 8.9.1737
+ Karlsbad 15.8.1799 [62 J.]
++ Karlsbad 17.8.1799

Der Sarg wurde auf Befehl der Herzogin Dorothea von Kurland am 22.2.1800 nach Löbichau gebracht und sodann öffentlich beerdigt.
"Das Grab befand sich an der Nordostecke des Hains am Ausgang unterhalb der Hainmühle nach Großstechau zu. Heute ist die Grabstätte zerstört [...]"
"Der Obelisk mit Sockel, der auf vier Marmorkugeln ruhte, war fast 4 m hoch. Nach der Mitteilung des Pfarrers Pleißner umgab ein schlichter Rasenplatz mit Linden und alten Rotbuchen die Grabstätte."

Scipione von Piattoli [1749 - 1809]
Schriftsteller, Politiker, Höfling

Er war der Erzieher und Hauslehrer der jüngsten Tochter Dorothea [Dorothée von Dino-Talleyrand 1793 - 1862], die mit 15 Jahren einen Neffen des französischen Fürsten Talleyrand heiratete.
* Florenz 10.11.1749
+ Altenburg 12.4.1809
++ in die Gruft am östlichen Rand des Löbichauer Hains beigesetzt.

Die Grabstätte befand sich mitten im Hain, wo später der Friedhof der adligen Stiftsdamen angelegt wurde.
"Der Platz wurde durch einen Grabstein mit lateinischer Inschrift kenntlich gemacht. Der Verstorbene wurde darin als "Scipion von Piattoli" bezeichnet. Nach seinem Tod adoptierte Piattolis Witwe den unehelichen Sohn Fritz von Herzogin Dorotheas Tochter Johanna von Acerenza - Pignatelli, der künftigen Erbin des Rittergutes Löbichau."
oo 1807 NN von Vietinghoff [Hofdame bei Herzogin Dorothea von Kurland]

Friedhof der adligen Stiftsdamen in Löbichau
Friedhof der adligen Stiftsdamen zu Löbichau

Friedhof der adligen Stiftsdamen in Löbichau
Postkarte: Gruss aus Löbichau

Die Gräber waren kreisförmig angeordnet und mit beschrifteten Marmortafeln gekennzeichnet. In der Mitte des von einer gepflegten Hecke umgebenen Rasenrondells erhob sich ein ca. 3 m hohes Holzkreuz.
1907 schenkte Luise von Tümpling, geb. von Boyen [1852 - 1911] Rittergut und Schloss Löbichau der Deutsche Adelsgenossenschaft.
Luise von Boyen heiratete 1878 Wolf von Tümpling, Besitzer von Schloss Thalstein bei Jena und Kaiserlicher Legationsrat [1845 - 1923].

1908 hatte die Deutsche Adelsgenossenschaft im Löbichauer Schloss einen Stift für adlige Damen eingerichtet [Johanna-Luisen-Stift]. Am 10.8.1908 fand die Einweihung statt.
Da einige von ihnen ältere Witwen waren, stellte sich über kurz oder lang die Frage nach einer Beerdigungsstätte. Um für diesen Fall vorgesorgt zu haben, erwarb der Stiftsleiter von Wedel zunächst ein Erbbegräbnis auf dem Großstechauer Gemeindefriedhof. Doch 1914 überlegte es sich die Adelsgenossenschaft anders. Man erinnerte sich der alten Grabstätte im Hain, für die es zu dieser Zeit außer einem steinernen Andreaskreuz keinen Nachweis mehr gab. Hier wollte man nun einen eigenen Stiftsfriedhof anlegen. Dieses Ansinnen war einerseits von finanziellen Erwägungen getragen, denn dem Stiftsleiter waren die Preise für Erbbegräbnisse auf dem Gemeindefriedhof zu teuer. Andererseits bestand ein distinktives Bedürfnis nach einer besonderen, standesgemäßen Grabstätte unter Seinesgleichen. Geplant wurde der Friedhof mit einer Größe von 144 qm. Er war vorgesehen für bis zu 20 Grabstellen.
Der Wunsch der Adelsgenossenschaft stieß in der Gemeinde auf kein Verständnis. Gegen den entsprechenden Antrag beim Kultusministerium legte der Gemeindekirchenrat Großstechau Einspruch ein und hatte Erfolg. Es kam keine Einigung zustande.

1927 kam das Bedürfnis nach einem eigenen Friedhof bei der Adelsgenossenschaft erneut auf. Wieder bezog der Gemeindekirchenrat Großstechau eine ablehnende Stellung dazu.

1929 erfolgte eine Einigung und es konnten nun die ersten Beerdigungen der Mitglieder des Stifts stattfinden.
Im Laufe der folgenden Jahre wurden hier mindestens 12 Stiftsdamen beigesetzt. Auch Bewohner des adligen Familienheims im Löbichauer Schloss, das nach Schließung der wirtschaftlichen Frauenschule am 1.10.1930 dort eingezogen waren, sind vermutlich hier beigesetzt worden. So erinnert sich Herr Bräutigam aus Drosen genau an die Grabplatte eines adligen Herrn. Im Dezember 1945 wurden die verbliebenen 46 adligen Insassen im Alter zwischen 65 und 91 Jahren aus dem Schloss Löbichau vertrieben. Die meisten von ihnen fanden Unterschlupf bei dem Nervenarzt Dr. Arthur Tecklenburg [1870 - 1957] in Tannenfeld. Die Damen, die ab 1946 auf dem Hainfriedhof beerdigt wurden, sind daher in Tannenfeld verstorben.
Folgende Stiftsdamen sind auf diesem Friedhof nachweislich beigesetzt worden:

Fräulein Helene von Plünskow 1867 - 1929
Fräulein Caroline von Zeschwitz 1857 - 1933
Fräulein Anna von Diepenbroick-Grüter 1854 - 1933
Fräulein Freya Gräfin von Luckner 1862 - 1938
Fräulein Henriette von Helldorf1863 - 1938
Fräulein Maria von Schaeffer 1864 - 26.9.1945
Frau Elisabeth Freiin von Rothkirch-Trach 1854 - 4.2.1946
Fräulein Eleonore von Friedeburg [Malerin]

Hospitanten am Abendakt-Zeichenunterricht der Großherzoglich Sächsischen Hochschule für bildende Kunst und des Staatlichen Bauhauses Weimar: Eleonore von Friedeburg 1919 - 1920

15.9.1864 - 27.7.1947
Frau Äbtissin Gertrud von Mannsbach1872 - 19.4.1948
Fräulein Elisabeth von Knobelsdorf1863 - 30.4.1948
Fräulein Annemarie von Boeltzig 1869 - 7.8.1948
Friedhof der adligen Stiftsdamen wird die Begräbnisstätte des Pflegeheims Gera-Tinz
"Nach der Vertreibung seiner adligen Bewohner wurden im Löbichauer Schloss die Insassen des ausgebombten Pflegeheims Gera-Tinz untergebracht.
Die Sterblichkeitsrate der Insassen war erschreckend hoch.
Der Pfarrer sprach von einem Massensterben.
So verstarben 1946 104 Bewohner, 1947 73 Bewohner und 1948 80 Bewohner des Pflegeheims.
Die Kirchgemeinde Großstechau sah sich daher Anfang 1947 gezwungen, die erteilte Genehmigung für die Beerdigung der Heiminsassen auf dem Großstechauer Friedhof zurück zu ziehen. Das Pflegeheim war nun gezwungen, den Hainfriedhof zu erweitern und die Verstorbenen hier beizusetzen. Baumeister Friedrich aus Großstechau errichtete gemeinsam mit seinem Angestellten Artur Franke aus Ingramsdorf daneben ein Bahrenhaus. Etwa 200 verstorbene Heiminsassen wurden in den folgenden Jahren hier beigesetzt. Sie wurden in Papiertüten gehüllt und auf einem offenen Karren in ein Massengrab verbracht.
Anders als die Stiftsdamen erhielten diese Verstorbenen keine Einzel- sondern Massengräber. Ihre Ruhestätten trugen keine Kennzeichen des Gedenkens, sondern wurden mit Fetthenne bepflanzt.
Irgendwann müssen auf dem Hainfriedhof auch 2 sowjetische Soldaten beigesetzt worden sein. Bis Mitte der 1970er Jahre standen hier noch 2 Grabkreuze mit kyrillischen Inschriften. Die Grabkreuze mit ihren kleinen Abdeckungen erinnerten an die Kreuze auf alten katholischen Friedhöfen. Die Überlieferung des Dorfes sah in einem der Beigesetzten einen russischen Major.
Als der Platz auf dem Hainfriedhof beim besten Willen nicht mehr ausreichte, mussten die Verstorbenen nun doch wieder auf dem Großstechauer Friedhof beigesetzt werden. Der Löbichauer Heimgärtner pflegte den Friedhof noch viele Jahre. Die Gräber waren immer gut gepflegt und mit Blumen besetzt.
Sucht man heute im Hain den ehemaligen Stiftsfriedhof, so findet man nur noch eine allmählich zuwachsende Freifläche. Bald wird sie vom umgebenden Hain nicht mehr zu unterscheiden sein [2015]."
Wappen der ehemaligen Besitzer von Schloss Löbichau
Die abgebildeten Wappen sind als Allianzwappen anzusprechen. Beide Partner verfügen über ein Familienwappen. Die zwei nebeneinandergestellte Wappenschilde sind leicht zueinander geneigt.
Wappen der Familie von Kurland und der Grafen von Medem

Wappen der Familie von Kurland und der Grafen von Medem

Fotos (4): Werner Roth, 2015

Wappen der Familie Pignatelli de Belmonte Acerenza und von Kurland

Wappen der Familie Pignatelli de Belmonte Acerenza und von Kurland

Wappen der Familie von Boyen und Biron von Kurland

Wappen der Familie von Boyen und Biron von Kurland

Wappen der Familie von Tümpling und von Boyen

Wappen der Familie von Tümpling und von Boyen

Legende: * geboren, ~ getauft, oo verheiratet, + gestorben, ++ begraben

• Ernst Bräunlich [1913 - 2000]: Ehemalige berühmte Grabstätten im Hain von Löbichau
• Mitteilung Dorit Bieber, Beerwalde, 2015
• OTZ vom 28.7.2015; OTZ vom 3.8.2015
• wikipedia: Peter von Biron [1724 - 1800]
• wikipedia: Scipione Piattoli [1749 - 1809]
• wikipedia: Evert Taube [1737 - 1799]
• Medem (Adelsgeschlecht)
• Christoph August Tiedge: Anna Charlotta Dorothea, letzte Herzogin von Kurland, Leipzig, 1823